Ausgabe 8

»Tabuin«, René Littek, 2004

Bild: »Tabuin«, René Littek, 2004

Tod … Untod … das, was danach kommt.

Als ich mir dieses Thema im Forum mit den Fans zusammen überlegt habe, hätte ich nicht gedacht, dass es zum Erscheinen der Ausgabe so präsent sein würde. In allen Medien sind Tod und die Angst vor dem Terror die bestimmenden Nachrichten.

Am Freitag, den 13. November, wurde es dann omnipräsent. Während man morgens vielleicht noch Witze gemacht hatte, an dem Tag würde nur denjenigen etwas passieren, die abergläubisch wären, wurde man am Abend dann gewahr, dass man nicht alleine über sein Schicksal und sein Leben entscheidet, dass der Tod schnell und unerwartet kommen kann.

Daran, dass der Tod im fernen „Nahen Osten“ täglich Dutzende bis Hunderte aus ihrem Leben reißt, daran haben wir uns von den Medien gewöhnen lassen. Nun geschah eben dies direkt vor unserer Haustür, traf nicht nur „irgendwelche Menschen aus der Tagesschau“, sondern Nachbarn, auch „Landsleute“. Die Gewöhnung versagte, Betroffenheit zog bei uns ein. Auch Angst macht sich in solchen Augenblicken breit, wenn die Bilder von Trauer, Opfern und Blumenmeeren an zentralen Orten die Medien überfluten.

Ein Weg der Kompensation dieser Angst, der Trauer, ist es, seine Online-Präsenz anzupassen, auf diese Art seine Betroffenheit, Anteilnahme und sein Mitgefühl zu zeigen. Gut und richtig. Da gibt es nichts zu kritisieren, auch nicht eine euro-zentrische Sicht zu bemäkeln. Gerade mit moralin-saurer und besserwisserischer Kritik sollte man sich in diesen Tagen zurück halten. Jeder hat (s)eine eigene Art, mit dem Thema umzugehen. Das sollte man respektieren.

Trauer und Betroffenheit brauchen Zeit und Kraft, die nicht jeder Mensch immer in dem Maße bereit stellen kann, wie er es vielleicht möchte. Das heißt auch, dass schnelle Entschlüsse kaum ein Mittel gegen die Folgen solcher Ereignisse sein können. Während der eine oder andere Politiker oder Demagoge nun nach radikalen Reaktionen ruft, sei es die ewige Forderung nach totaler Überwachung, absoluter Abschottung oder einem Krieg Europas gegen „den Feind“, sollte man sich von solcher Hysterie nicht anstecken lassen. Meist ist so etwas nur ein Zeichen der eigenen Hilflosigkeit, im schlimmsten Fall ein bewusster Missbrauch der Toten für die eigene Agenda.

Dass das Töten von Menschen keine Verbesserung der eigenen Position bringt, zeigt gerade der Nahe Osten mit schonungsloser Deutlichkeit.

Ich habe länger darüber nachgedacht, ob wir angesichts der realen Ereignisse dieser Tage wirklich das Thema „Tod“ bringen sollen. Ist es eventuell falsch oder gefühllos? Respektlos? Ich denke nicht.

Dabei war nicht ausschlaggebend, dass wir den Tod in fiktiver Umgebung platzieren, dass alles in den Artikeln ohne Bezug zur Wirklichkeit sei. Eben dies nicht. Rollenspiel geschieht immer mit einem direkten Bezug zur Realität. Wer sich in seiner Freizeit, seinen Gedanken und seiner Phantasie mit fremden Welten und anderen Realitäten beschäftigt, der sieht auch seine eigene Umwelt oftmals kritischer und erkennt Potential zu Verbesserungen. Viele Spieler sind in ihrem Alltag politisch aktiv oder unterstützen NGOs mit sozialem Charakter. Mir persönlich sind auch keine Spieler bekannt, welche dabei zu politisch extremen Positionen tendieren. Ob dies nun am Rollenspiel und der dazu einfach zwingend notwendigen Kompetenz von Miteinander, Kommunikation und Interaktion liegt, oder, ob es andersherum ist, dass solche Menschen einfacher zum Rollenspiel finden, das kann ich nicht sagen.

Sicher bin ich mir jedoch darin, dass Rollenspiel ein probates Mittel ist, Trauer und Angst zu begegnen, neue Kraft zu generieren und sich für den Alltag zu stärken. Auch und vielleicht
gerade mit Themen, die man im Alltag eher vermeidet. Es mag also dem einen oder anderen Mitmenschen helfen, wenn er am Spieltisch den Tod oder Untod besiegen kann. Wenn er in seiner Phantasie das Thema in Artikeln und Bildern in Form gießt, wenn er für sich einen Weg findet, den Tod in seinen Alltag zu integrieren – und sei es nur unterbewusst.

Und so können alle Texte in dieser Ausgabe hilfreich sein. Einer der – mir – wichtigsten Aspekte des Rollenspiels ist es, dass man mit dem Schreiben an Settings und an Abenteuern, anderen
Menschen Freude schenken kann. Ihnen ein paar Augenblicke abseits von Alltag, Stress und eben auch Angst und Trauer, gönnen kann.

Wir sehen uns auf der nächsten Con …

Peter Horstmann
(Chefredakteur)

cover08

Inhalt

  Splittermond
Aşkın-Hayat Doğan Kurzgeschichte
Die Hinrichtung des Zauberpiraten Shu Wusong
John Poltermann Spielhilfe
Das Legat von Zitaga
Weltengeist Abenteuerszenario
Regennacht oder Adelia und die zwanzig Rattlinge
Download: Karte, Handout
Register der bisherigen Beiträge zu Splittermond
  Myranor
Morcarion vom Berg Spielhilfe
Shor‘Uach – Windgeister von Rhacornos
T: Dennis Rüter Abenteuerszenario
Totenkugel
Register der bisherigen Beiträge zu Myranor
Myredonius te Kouramnion Spielhilfe
Arkanomechanik, Pylonenbau & astrale Austrocknung
  Tharun
T: Arne Gniech, B: Marcus Jürgens Spielhilfe
Die Hochstadt von Matar
Download: Karte 1, Karte 2
Register der bisherigen Beiträge zu Myranor
 Eis & Dampf
Sarah Manthey Abenteuerszenario
Moulin Rouge
Space 1889
Dennis Koselowsky Spielhilfe
Tourismus in Space 1889
Register der bisherigen Beiträge zu Space 1889
  Numenera
Stefan Urabl Abenteuerszenario
In dunklen Tiefen
  Contact
Simon Goebels Kurzgeschichte
Stella Maris
Register der bisherigen Beiträge zu CONTACT
  Deadlands
Nick Dysen Spielhilfe
Die Phantomgläser
Register der bisherigen Beiträge zu Deadlands
  Dungeonslayers
Frank Röhr Kurzgeschichte
Zum Ruhme meiner selbst

5 Responses to Ausgabe 8

  1. […] ein letztes Mal in 2015 für kostenfreien Nachschub für seine Produktlinien in Form der 8. Ausgabe des Uhrwerk!-Magazins. Auch Tharun und vor allem Myranor werden dabei wieder bedacht. Umso erfreulicher, dass die Fahne […]

  2. […] sich wieder einige Sachen angesammelt, die wir euch hier vorstellen wollen. Da ist zum Beispiel die 8. Ausgabe des Uhrwerk!-Magazins, die gerade erschienen […]

  3. […] funktionierenden Sachen gehört auch das Uhrwerk-Magazin, welches nun schon zuverlässig in der 8. Ausgabe und dem diesmaligen Schwerpunkt Tod diverse Systeme des Uhrwerkverlags bedient, so ist zum Beispiel […]

  4. […] Das vollständige Magazin könnt ihr hier downloaden: Uhrwerk! Ausgabe 8 […]

  5. […] muss gestehen, dass ich den Leuten von Uhrwerk Unrecht getan habe. In Ausgabe 8 des Uhrwerk-Magazins ist eine Übersicht über alle bisher erschienenen Szenarien, und auch die Ankündigungen von der […]

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