Ratcon 2013 – Ein Erfahrungsbericht von Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Heinz Featherly

übersetzt aus dem Eulischen von Nico Mendrek

2014_1_mendrek_ratcon_04Die Ratcon steht der Heinzcon natürlich in vielem nach – nicht zuletzt im weit weniger wohlklingenden Namen. Aber das soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein. Immerhin war ich ja für einen ganzen Tag anwesend, das sollte für die Besucher Trost genug darstellen.
Seit die Ratcon – die Hausmesse von Ulisses Spiele und somit wohl auch die wichtigste Con für Das Schwarze Auge – in Unna stattfindet, scheint jedenfalls die Prämisse zu herrschen: Jedes Jahr eine überraschende Enthüllung. 2012 war es der „Geheimband“, dieses Jahr war es Das Schwarze Auge 5. Diese Ankündigung schlug erwartungs-gemäß einige Wellen und wurde anderswo schon erschöpfend behandelt – und natürlich war sie auch nicht die einzige große Neuigkeit.

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Meine Knechte vom Uhrwerk Verlag waren wie immer mit annähernd voller Mannstärke vor Ort. Nur wenige der Lakaien waren in Köln verblieben, um an meinem dortigen Monument zu arbeiten. Wie im Vorjahr lagerte die Bande mit einem schön zentral gelegenen Stand direkt neben der Cafeteria. Wer diesen Stand aber bisher auch nur ein Mal besucht hat weiß: Die Uhrwerker ver-sorgen sich selbst. Bzw. sie nutzen den Catering-Service „Mama Lindner“, um sich selbst und ca. die Hälfte aller Conbesucher mit lecker Kuchen und hochprozentigen Schnäpsen bei Laune zu halten. Dass der Stand fast immer der Mittelpunkt einer größeren Menschentraube war, lag jedoch sicher nicht nur an diesem Umstand sondern – so reden die Uhrwerker sich das jedenfalls ein – an den spannenden Neuheiten, die es zu erstehen gab (wir wissen natürlich alle, dass es an mir lag).

So ging auf dieser Ratcon erstmals ein käuflich zu erwerbendes Splittermond-Produkt über die Ladentheke: Die detaillierte und überarbeite Karte der Spielwelt Lorakis. Uli Lindner konnte außerdem endlich stolz sein Dungeonslayers-Abenteuer „Die Pyramide des Todes“ präsentieren und wie gewohnt die Fans komplett über dessen Inhalt spoilern, die alte Labertasche. Dass Splittermond übrigens jetzt schon hervorragend ankommt, lässt sich an den zahlreichen vollen Spielrunden festmachen, die während der Con abgehalten wurden. Wir danken für die rege Beteiligung! (Anmerkung der Redaktion) Hey, was soll dieses PR-Geblubber in meinem Text! Frechheit. Wo war ich? Faden verloren. Mist. Irgendwas mit Uli. Okay… Im Splittermond-Workshop verriet Uli Lindner dann auch, wie es mit diesem Rollenspiel weitergehen wird und warum das Regelbuch noch einmal ein wenig nach hinten verschoben wurde. Stefan Küppers konnte im Space 1889-Workshop stolz die Ergebnisse des jüngst beendeten Kickstarter-Projekts verkünden. 72.000 Pfund kamen für die englische Version des Grund-regelwerks zusammen. 57.000 mehr als benötigt, die direkt in den Bau meines Monuments und die Betriebskosten meiner Zeitmaschine investiert werden. Wenn ich das bei Patric durchkriege. Ansonsten würde es bedeuten: Auf Space-Jünger kommen noch jede Menge anderer Quellenbücher und Abenteuer zu, die mit diesen Mitteln finanziert werden. Zu Myranor gab es direkt auf der Con leider keine Neuheiten – dafür aber ganze zehn Myraniars-Runden. Doch Myrunhall und Das Stebende Land stehen direkt vor der Tür (siehe Werkstattbericht in der Ausgabe 1/2014).

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Einer weltgewandten und weitgereisten Eule wie mir wird auf solchen Veranstaltungen recht schnell langweilig. Langsam bin ich des Rummels um meine Person fast überdrüssig. Aber immerhin: Auch abseits von Workshops, Spielrunden und Verkaufsständen gab es genug zu tun: Wie schon im Vorjahr konnten die Besucher über die Stände eines kleinen Mittelaltermarkts schlendern und dort unter anderem LARP-Ausrüstung erstehen. Highlight dieser Abteilung war sicherlich das Rahjazelt von Etilia von Ehrwald, die dort in rote Seide gewandet erschöpfte Congänger auf ihrer gemütlichen Liege empfing, um sie mit Knabberkram (Rosentörtchen, Rosensprudel und Rosenmet) wieder auf die Beine zu bringen. Wer sich zu prüde fürs Rahjazelt fühlte, konnte immerhin die auf Stelzen über das Congelände staksende Riesen-Ritterin bewundern: auch bekannt als Schattenkatze aus dem Orkenspalter-Forum.
Eine große Überraschung war für einige (für mich natürlich nicht, ich verfolge das Projekt ja schon lange) sicherlich Demonicon: Das DSA-Action-Rollenspiel von Kalypso konnte an mehreren Spielstationen angetestet werden. Bisher hatte der Titel bei der Fangemeinde keinen besonders guten Ruf und galt von vorne herein als verkorkstes Action-Adventure mit wenig Aventurien-Bezug. Diese Meinung dürften die meisten nach der Ratcon wieder revidiert haben: Demonicon zeigte sich als spannende und hübsche DSA-Version von The Witcher mit hohem Wiedererkennungswert. Auch Daniel Heßlers Demonicon-Prolog Mutterglück, ein Abenteuer, das es exklusiv in der Contüte zu ergattern gab, hinterließ bei den Fans einen guten Eindruck (und geht echt gut auf ebay). Diese Tüte war sowieso einmal mehr randvoll gefüllt. Neben Mutterglück gab es ein weiteres T-Abenteuer, Schnellstarter für Shadowrun 5, ein kurzes Riesland-Abenteuer und vieles mehr – unter anderem ein Papst-Quartett. Wie naheliegend! (Notiz an mich selbst: Eulen-Quartett!) Über die gefühlt immer noch neue Location wurde ja letztes Jahr schon einiges gesagt: Das moderne und gleichzeitig gemütliche Flair ist auf jeden Fall ein Gewinn. Die Con wirkt kompakter und ob sie jetzt mehr Besucher hat als früher oder nicht: Sie fühlt sich voller an. Was eigentlich abschreckend klingt ist ein Bonus. Wir reden hier nicht von der Gamescom und auf den Ratcons bis 2011 fühlte man sich doch manchmal schon wie in „I Am Legend“.
Dafür sind die sanitären Anlagen um Längen besser als die im Fritz-Henßler-Haus in Dortmund. Im Klartext: Toilettengänge arten nicht in ekelhafte Pisspfützen-Ausweich-Spielchen aus. Für meine Uhrwerker ist die Ratcon auch eine Gelegenheit, die Köpfe zusammenzustecken und über künftige Projekte zu reden – natürlich bei Kuchen und jede Menge Schnaps (wie soll man sich sonst „Myranische Monstren“ erklären?). So gab es fruchtbare interne Meetings zu fast allen großen Linien aus dem Sortiment – über die wir an dieser Stelle natürlich nicht sprechen dürfen – aber seid versichert: Es stehen uns spannende Zeiten bevor.

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Text & Photos: Nico Mendrek

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